Auswirkungen der russischen Sanktionen auf die österreichische Tourismuswirtschaft

Parlamentarische Anfrage

Sep
08

Montag, 8. September 2014

Der Tourismus stellt einen wesentlichen Wirtschaftszweig in Österreich und auch in der Europäischen Union dar. Abgesehen von den aus dieser Branche erzielten Einnahmen fördert er auch die Beschäftigung, das Wirtschaftswachstum sowie die Entwicklung und die sozioökonomische Integration vor allem auch in ländlichen Gebieten.

Laut der Veröffentlichung der Statistik Austria mit dem Titel „Tourismus in Österreich“ übernachteten im Jahr 2013 insgesamt 1,9 Millionen Gäste russischer Herkunft in Österreich; damit rangierte Russland im vergangenen Jahr unter den 10 wichtigsten Herkunftsländern der nach Österreich reisenden Touristen (noch vor Frankreich). In Anbetracht der derzeitigen Situation befürchtet die heimische Fremdenverkehrswirtschaft einen Einbruch der Übernachtungszahlen in der Wintersaison 2014/15. 

1. Ist sich die Kommission der möglichen Auswirkungen der Sanktionen auf den Fremdenverkehrsbereich bewusst?

2. Hat die Kommission konkrete Pläne zur (finanziellen) Unterstützung für die betroffenen Branchen/ Regionen, bzw. welche Unterstützung könnte man den Tourismusgebieten hierbei zukommen lassen?

Antwort von Frau Bienkowska im Namen der Kommission

Russland stellt einen wichtigen Herkunftsmarkt für Reiseziele in der EU dar. 2013 entfielen 1,7 Mio. Übernachtungen in Österreich auf russische Touristen, die damit erwirtschafteten Einnahmen beliefen sich auf rund 445 Mio. EUR.

Russische Touristen haben jedoch nur einen Anteil von etwa 1,5 % an allen Übernachtungen und von rund 3 % an den Ausgaben von Reisenden in Österreich. Die Anteile für die Europäische Union insgesamt sind ähnlich. Darüber hinaus lag die Zahl der Touristen aus aller Welt in Europa in den ersten sechs Monaten des Jahres 2014 über den ersten Schätzungen (+5 %), was auf ein größeres Vertrauen zu Europa und die Erholung wichtiger traditioneller europäischer Herkunftsmärkte zurückzuführen ist.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es daher keine Belege für einen drastischen Rückgang der Zahl der russischen Touristen in der EU. Sollten deutliche Änderungen zu beobachten sein, müssten diese unter Berücksichtigung auch anderer Faktoren, die sich auf das Vertrauen der russischen Reisenden ausgewirkt haben könnten, untersucht werden, etwa die aufsehenerregenden Bankrotte russischer Reiseveranstalter, über die die Medien im Juli 2014 berichteten.

Die gegen Russland verhängten Maßnahmen wurden vom Rat und dem Europäischen Rat einstimmig beschlossen. Die EU überwacht die Auswirkungen ihrer restriktiven Maßnahmen, mit denen eine Kursänderung der russischen Aktionen in der Ukraine bewirkt werden soll. Diese Maßnahmen könnten ganz oder teilweise geändert, ausgesetzt oder widerrufen werden, je nach der Entwicklung der Lage in der Ukraine. Die endgültige Entscheidung bleibt den EU-Mitgliedstaaten überlassen.