Klimawandel — Gefahr für den heimischen Tourismus

Parlamentarische Anfrage

Dez
22

Montag, 22. Dezember 2014

Das Fortschreiten des Klimawandels ist ein Thema, das uns künftig vor viele Herausforderungen stellen wird. Die Auswirkungen, die mit einem Anstieg der Temperaturen und weiterer Phänomene einhergehen, werden mittlerweile immer stärker spürbar. Im Heimatland der Fragestellerin kann man die klimatischen Veränderungen mit freiem Auge anhand der heimischen Gletscherlandschaft beobachten, die beharrlich schwindet. An 90 % der heimischen Gletscher wurden zwischen 2012 und 2013 Veränderungen festgestellt.

In Europa, der am meisten besuchten Region der Welt, wird das Tourismusgewerbe sowohl im Sommertourismus (Mittelmeerländer: höhere Temperaturen und Wassermangel) als auch im Wintertourismus (Gletscherschmelze, weniger Schnee) an Attraktivität verlieren. Besonders schwerwiegend sind die Resultate der klimatischen Veränderungen jedoch für jene Menschen und Betriebe, deren Erwerbsgrundlage in Gefahr ist. Oftmals wird der Tourismus als Schlüsselsektor der europäischen Wirtschaft bezeichnet, da er (direkt oder indirekt) mehr als 10 % des BIP der EU ausmacht und 9,7 Millionen Bürger in 1,8 Millionen Betrieben beschäftigt. Durch den Klimawandel wird eine der wichtigsten Ressourcen des Fremdenverkehrs bedroht.

Welche Prognosen sieht die Kommission für den Klimawandel und dessen Auswirkungen, die dieser für die beliebten Fremdenverkehrsziele in Europa mit sich bringen dürfte?

Gibt es seitens der Kommission Pläne, in welcher Form man jene Regionen, die durch den Klimawandel am intensivsten getroffen werden, unterstützen kann?

Hat die UN-Klimakonferenz im Dezember 2014 in Lima diesbezüglich Ergebnisse hervorgebracht?

Antwort von Herrn Arias Cañete im Namen der Kommission

Der Klimawandel wird für den Tourismus zu einer immer komplexeren Herausforderung. Die Kommission wies darauf bereits in ihrer Mitteilung von 2010 zum Tourismus hin, in der sie unter anderem dazu aufruft, Möglichkeiten der Entwicklung und Bereitstellung alternativer Tourismusangebote für bestimmte Reiseziele zu erkunden, die voraussichtlich besonders stark betroffen sein werden.

Trotz gewisser Unsicherheiten lassen sich für Europa eine Reihe von Annahmen formulieren. Die Eignung Südeuropas für den Tourismus dürfte sich in den Sommermonaten deutlich verschlechtern, zu anderen Jahreszeiten aber besser werden. Die Attraktivität Nord- und Mitteleuropas für den Tourismus dürfte in den meisten Jahreszeiten zunehmen. Geringere Schneemengen werden sich in vielen Regionen negativ auf die Wintersportbranche auswirken, vor allem in Gebieten knapp unterhalb der schneesicheren Höhenlagen.

Was die Unterstützung der Kommission für den Tourismus in vom Klimawandel (sowie von extremen Wetterverhältnissen) bedrohten Regionen betrifft, so verweist die Kommission die Frau Abgeordnete auf ihre Antwort auf die Anfrage E-006679/2014 zur schriftlichen Beantwortung.

Die Klimakonferenz von Lima führte zu dem wichtigen Konsens, die globale Erwärmung auf weniger als 2°C gegenüber dem vorindustriellen Wert zu begrenzen. Ergebnisse der von den Parteien vereinbarten Beschlüssen sind insbesondere: Leitlinien zur Formulierung und Aggregierung der vorgeschlagenen Emissionsminderungsziele sowie ein Grundlagentext für die Aushandlung eines neuen internationalen Vertrags in Paris 2015, in dem auch auf die Stärkung der Verpflichtungen der Parteien zur Steigerung der Klimaresilienz ihrer Länder verwiesen wird. Auf der Konferenz wurde ferner die Fortsetzung der technischen und politischen Arbeiten beschlossen, um die Parteien zu mehr Ehrgeiz bei der Reduzierung ihrer Emissionen zu ermuntern, und zwar noch bevor der Vertrag von 2015 im Jahr 2020 in Kraft tritt.